Dreimal gefragt, dreimal anders
Etwa 15 Minuten

Eine Kollegin probiert es aus. Sie tippt dieselbe Schülerarbeit, ohne Namen, dreimal hintereinander in einen neuen Chat und bittet jedes Mal um eine Note. Erster Chat: 2 minus. Zweiter Chat: 3 plus. Dritter Chat: 2. Dieselbe Arbeit, derselbe Text, dieselbe Bitte.
Sie hat nichts falsch gemacht. Sie hat nur gesehen, was in Lektion 2 schon drinsteckte: Ein Sprachmodell rät das nächste Wort. Und Raten hat Zufall drin.
Warum die Antwort nie zweimal gleich ist
Wenn das Modell das nächste Wort wählt, nimmt es nicht immer das wahrscheinlichste. Es würfelt ein bisschen, gewichtet nach Wahrscheinlichkeit. Das ist Absicht. Ohne diesen Würfel würde es immer denselben Satz schreiben, und jede zweite Antwort wäre eine Kopie der ersten. Der Würfel macht Texte lebendig und sorgt dafür, dass "noch eine Variante" wirklich eine andere ist.
Derselbe Würfel sorgt dafür, dass eine Bewertung zwischen zwei Durchläufen schwankt. Nicht, weil das Modell einmal gut und einmal schlecht gelesen hat. Sondern weil "2 minus" und "3 plus" beide plausible Fortsetzungen des Satzes "Diese Arbeit bewerte ich mit" sind, und mal fällt der Würfel so, mal so.
Manche Werkzeuge lassen dich den Würfel einstellen, oft heißt der Regler "Temperatur" oder "Kreativität". Ganz abschalten lässt er sich fast nie. Und selbst wenn: Dann bekommst du eine stabile Antwort, aber keine richtigere.
Was das für Bewertungen heißt
Eine Note ist eine Entscheidung mit Folgen für ein Kind. Die KMK sagt es deutlich: Die Bewertung bleibt bei der Lehrkraft. Diese Lektion zeigt dir, warum das nicht nur eine Vorschrift ist, sondern technisch vernünftig.
Ein Modell kann dir beim Bewerten trotzdem helfen, nur eben nicht beim Entscheiden:
- Es kann einen Erwartungshorizont vorschlagen, bevor du korrigierst. Den prüfst du einmal, dann gilt er für alle Arbeiten gleich.
- Es kann in einem anonymisierten Text Rechtschreibung und Grammatik markieren. Zählen und Gewichten tust du.
- Es kann Formulierungen für dein Feedback liefern, nachdem du die Note hast.
Die Reihenfolge ist entscheidend: erst dein Urteil, dann die Hilfe beim Aufschreiben. Nicht umgekehrt.
Was das für alles andere heißt
Für fast alles außer Bewertung ist der Würfel dein Freund. Drei Varianten einer Zeugnisbemerkung, fünf Einstiege für dieselbe Stunde, zwei Fassungen eines Elternbriefs: Das geht nur, weil nicht zweimal dasselbe herauskommt. Die Werkbank nutzt genau das. Sie gibt dir nie eine Fassung, sondern immer drei, und du wählst.