Fertig vor 5
Stufe 1, Lektion 5 von 8

Es kennt dich nicht

Etwa 15 Minuten

KONTEXTFENSTERProfil: Grundschule, Klasse 3, Chiang Mai, zweisprachig,ich duze die Kinder, keine Schülernamen.Schreib einen Elternbrief zum Wandertag.Liebe Familie [Familie], am Freitag ...Kürzer, und auf Englisch dazu.Dear [Familie] family, on Friday ...Dein LehrplanDie 7bGesternDein letzter ChatDeine SchuleWas du meinstWas im Fenster steht, zählt. Was draußen steht, gibt es nicht.

Montag, große Pause. Eine Kollegin zeigt dir auf dem Handy einen Arbeitsblatt-Entwurf, den sie sich am Wochenende hat machen lassen. Er ist in Ordnung. Für eine siebte Klasse an einem Gymnasium in Bayern. Sie unterrichtet eine fünfte an einer Auslandsschule, zwei Drittel der Kinder haben Deutsch als Zweitsprache, und ihr Lehrplan ist ein anderer.

"Das wusste es halt nicht", sagt sie. Stimmt. Und es hätte keine Chance gehabt, es zu wissen.

Jeder Chat fängt bei null an

Ein Sprachmodell hat kein Gedächtnis zwischen Gesprächen. Jeder neue Chat ist ein neues Gegenüber, das dich noch nie gesehen hat. Es weiß nicht, welches Fach du unterrichtest, welche Klasse, in welchem Land, mit welchem Lehrplan, in welchem Ton. Es weiß nicht, dass du "du" zu deinen Schülern sagst, dass deine Elternbriefe immer mit einem Dank beginnen, dass deine Schule zweisprachig ist.

Also nimmt es den Durchschnitt. Durchschnittsklasse, Durchschnittsschule, Durchschnittsdeutschland. Das Arbeitsblatt für Bayern war kein Fehler. Es war die wahrscheinlichste Antwort auf eine Frage ohne Kontext.

Manche Werkzeuge haben inzwischen eine Erinnerungsfunktion, die sich Dinge über dich merkt. Die ist nützlich und unzuverlässig zugleich: Du siehst nicht genau, was sie sich gemerkt hat, und sie vergisst, was du für wichtig hältst. Verlass dich nicht darauf. Gib den Kontext selbst, dann weißt du, was drin ist.

Ein leeres Chatfenster mit der Frage: Wer bist du? Drumherum, außerhalb des Fensters, der Ordner Klasse 3b, der Lehrplan, ein Kalender und ein Foto der Schule.

Das Kontextfenster

Alles, was das Modell über dich und deine Aufgabe weiß, steht in einem einzigen Bereich: dem Kontextfenster. Das ist der Chat, den du siehst, plus alles, was du hochgeladen oder vorab eingestellt hast. Was dort steht, wird berücksichtigt. Was nicht dort steht, existiert nicht.

Das Fenster ist groß, aber nicht unendlich. In einem sehr langen Chat rutschen frühe Angaben nach hinten und wiegen weniger. Wenn ein Werkzeug nach vierzig Nachrichten plötzlich wieder "Sie" sagt, obwohl du am Anfang "du" verlangt hast, ist das kein Trotz. Dein Hinweis ist nur weit weg.

Daraus folgen zwei einfache Regeln. Wichtige Angaben gehören an den Anfang. Und für jede neue Aufgabe ein neuer Chat, mit frischem Kontext.

Das Profil: einmal schreiben, immer nutzen

Hier beginnt Stufe 3, aber die Idee passt schon jetzt. Statt in jedem Chat zu erklären, wer du bist, schreibst du es einmal auf. Ein kurzer Text, zehn bis fünfzehn Zeilen:

  • Fach oder Fächer, Schulform, Jahrgänge, die du unterrichtest
  • Schule und Standort, besondere Bedingungen (zweisprachig, viele DaZ-Kinder, Lehrplan welches Landes)
  • Wie du schreibst: Du oder Sie gegenüber Schülern, Ton gegenüber Eltern, Länge, die du magst
  • Was nie passieren darf: keine Schülernamen erfragen, keine Noten vorschlagen, keine Gedankenstriche
  • Was du dreimal die Woche brauchst

Diesen Text gibst du am Anfang jedes Chats mit, oder du hinterlegst ihn dort, wo dein Werkzeug feste Anweisungen erlaubt (in den meisten gibt es dafür "Projekte" oder "Anweisungen"). Ab dann kennt es dich. Nicht wirklich, aber genug.

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