Darf ich das?
Zwei Fragen, drei Farben. Eine Empfehlung aus der Praxis, keine Rechtsauskunft.
Dein Material, dein Denken, keine Kinder, nichts Vertrauliches.
Faustregel: Könntest du es auf der Fachkonferenz vorlesen?
Echte Kinder, aber die KI muss nicht wissen, welche. [Vorname] statt Name.
Faustregel: Würde eine Kollegin an einer anderen Schule das Kind erkennen?
Vertraulich, oder die Person geht nicht raus. Noten gibst du selbst.
Faustregel: Würdest du zögern, es einer fremden Kollegin zu mailen?
Die Ampel: unsere Empfehlung, was du mit KI machst und was besser nicht. Keine Rechtsberatung.
Das hier ist die Grundeinstellung. Deine Schule kann sie anpassen: Mit einem Vertrag mit dem KI-Anbieter (kein Training mit euren Daten, Server in der EU oder am Standort) darf Gelb weiter reichen, zum Beispiel bis zu Klassenlisten im Schul-Werkzeug. Was an deiner Schule gilt, legt die Schulleitung in der KI-Leitlinie fest. Wenn es dort steht, gilt das, nicht diese Seite. Rot bleibt, was wirklich geheim oder heikel ist, egal welches Werkzeug.
Drei Kolleginnen, ein Lehrerzimmer, eine große Pause.
Die erste nutzt ChatGPT für alles. Sie fotografiert Klassenarbeiten ab und lässt sich Korrekturvorschläge machen. Es spart ihr Stunden. Sie erzählt es niemandem.
Die zweite nutzt gar nichts. Sie hat gehört, dass man das nicht darf, und sie will keinen Ärger. Ihre Zeugnisse schreibt sie wie immer, 29 Kinder, jedes eine Stunde.
Die dritte nutzt es für Zeugnisse, aber mit schlechtem Gewissen. Sie tippt Namen und Beobachtungen ein und löscht den Chat danach, in der Hoffnung, dass das reicht.
Alle drei sind unsicher. Keine hat jemanden gefragt, weil niemand da ist, der eine klare Antwort gibt. Die Ministerien sagen, was nicht geht. Die Schule hat keine Regel. Also entscheidet jede allein, abends am Küchentisch.
Die Ampel gibt dir drei Farben dafür. Eine Sache vorweg: Das ist eine Empfehlung aus der Praxis, keine Rechtsauskunft. Wir sind weder Juristen noch Schulbehörde. Was an deiner Schule verbindlich gilt, legt deine Schulleitung fest. Wenn es dort eine Regel gibt, gilt die. Die Ampel hilft dir an den Abenden, an denen es noch keine gibt.
Zwei Fragen vor jeder Eingabe
Bevor du etwas in eine KI tippst, hochlädst oder kopierst, stell dir zwei Fragen:
1. Steht da eine Person drin, die man erkennen könnte? Ein Name, ein Geburtsdatum, ein Foto, eine Handschrift. Oder eine Kombination, die nur auf ein Kind passt: "der einzige Junge aus Norwegen in der 7b" ist ein Name, auch ohne Namen.
2. Ist das Material vertraulich oder geschützt? Zentrale Prüfungsaufgaben vor dem Termin. Gutachten. Personalunterlagen. Ganze Lehrbuchseiten.
Zweimal Nein: Grün. Einmal Ja bei der ersten Frage, und du kannst die Person herausnehmen: Gelb. Ja bei der zweiten Frage, oder die Person lässt sich nicht herausnehmen: Rot.
Grün: Mach einfach
Dein eigenes Denken, dein eigenes Material, keine Kinder, nichts Vertrauliches. Unterrichtsplanung. Arbeitsblätter aus deinem Material. Dasselbe Blatt auf drei Niveaus. Erwartungshorizont für die Klassenarbeit nächste Woche. Vorlage für den Elternbrief zur Klassenfahrt. Tagesordnung der Fachkonferenz. Deine Mail ans Kollegium, die zu lang geworden ist.
Faustregel: Was du auf einer Fachkonferenz vorlesen könntest, ist Grün.
Gelb: Ohne Namen, im Schul-Werkzeug
Es geht um echte Kinder, aber die KI muss nicht wissen, welche.
Zeugnisbemerkungen: Du gibst Merkmale ein, "arbeitet selbstständig, braucht in Gruppenarbeit klare Rollen", und bekommst Formulierungen. Den Namen setzt du erst in deinem Zeugnisprogramm ein. Feedback auf einen Schülertext: abgetippt, ohne Namen, ohne Foto der Handschrift. Ein Elterngespräch vorbereiten: "Kind in Klasse 4, Konflikt in der Pause, Eltern reagieren abwehrend."
Pseudonymisieren heißt: Namen raus, [Schüler] rein. Keine Geburtsdaten, keine Klassenlisten, keine Fotos. Keine Diagnosen, auch nicht umschrieben. Und am besten in einem Werkzeug, bei dem die Schule einen Vertrag hat, der Speicherung und Training ausschließt. Ein privater Gratis-Account lernt aus deinen Eingaben. Dort würden wir bei Grün bleiben.
Faustregel: Wenn eine Lehrkraft einer anderen Schule aus deinem Text das Kind nicht erkennen könnte, ist es Gelb.
Rot: Lass es draußen
Entweder vertraulich, oder die Person geht nicht raus. Hier raten wir ab, egal in welchem Werkzeug.
Aufgaben und Erwartungshorizonte zentraler Prüfungen vor dem Termin. Notenlisten. Zeugnisse mit Namen. Gutachten. Schülerakten. Fotos von Schülerarbeiten, auch anonym, denn Handschrift ist erkennbar. Fotos von Kindern. Personalunterlagen. Lehrbuchseiten als Scan. Dazu eine Sache, die keine Datenfrage ist: Noten gibst du selbst. KI darf vorbereiten und markieren. Die Bewertung bleibt bei dir. Das ist unsere klarste Empfehlung, und die KMK sieht es genauso.
Faustregel: Wenn du zögern würdest, es einer Kollegin an einer anderen Schule zu mailen, ist es Rot.
Struktur-Modus: Hilfe trotz Rot
Rot gilt für den Inhalt. Nicht für die Form.
Ein Schulleiter hat Abiturvorschläge geschrieben und Rückmeldung von der Fachberatung bekommen: zu lang, Anforderungsbereich III unscharf. Die Aufgabe selbst gehört nicht in eine KI. Fragen kann er trotzdem: "Ich habe eine Erörterungsaufgabe für Deutsch Q2 mit den Operatoren analysieren und erörtern. Die Rückmeldung war: zu lang, Anforderungsbereich III unscharf. Welche Prüffragen sollte ich mir zur Überarbeitung stellen, und wie formuliert man Anforderungsbereich III typischerweise präziser?"
Er bekommt Struktur, Formulierungsmuster, eine Checkliste. Den Inhalt überarbeitet er selbst, offline. Das Geheimnis bleibt im Haus, die Hilfe kommt trotzdem an.
Das funktioniert für fast alles in Rot: Beschreib die Sorte, nicht das Stück.
Probier es mit deinen eigenen Aufgaben (10 Minuten)
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Sortieren. Schreib sechs Dinge auf, die du diese Woche am Computer erledigt hast oder erledigen wirst. Stell jedem die zwei Fragen. Gib ihm eine Farbe. Zähl, wie viel Grün dabei ist. Es ist meistens mehr, als du dachtest.
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Auf Gelb bringen. Nimm eine Zeugnisbemerkung aus dem letzten Jahr. Streich den Namen, ersetz ihn durch [Schüler]. Streich alles, was nur auf dieses Kind passt. Lies, was übrig bleibt. Für die KI reicht das vollständig. Für dich ist nichts verloren, weil du weißt, wer gemeint ist.
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Einmal Rot durch den Struktur-Modus. Nimm etwas, das Rot ist. Formuliere die Frage so, dass du die Sorte beschreibst und nicht das Stück. Schick sie ab. Schau, wie viel du trotzdem bekommst.
Was das für die Werkbank heißt
- Das Lehrerzimmer-Geheimnis endet. Du weißt jetzt, was geht. Du kannst es laut sagen. Die Kollegin, die alles fotografiert, und die, die gar nichts macht, haben beide eine Antwort.
- Gelb ist der große Gewinn. Fast alles, was dir Abende kostet, ist Gelb: Zeugnisse, Feedback, Elterngespräche, Förderpläne. Mit einem Platzhalter statt einem Namen bist du auf der sicheren Seite.
- Im Zweifel Gelb. Nimm Personen raus. Frag nach, bevor du es ein zweites Mal machst. Eine Frage im Lehrerzimmer ist billiger als ein Gespräch mit Eltern.
- Die Schule braucht eine Regel. Wenn deine keine hat, ist diese Ampel ein Vorschlag, den du mitbringen kannst.
Merksatz
Zwei Fragen, drei Farben. Grün machst du. Gelb machst du ohne Namen. Rot machst du selbst.
Acht Dinge aus einer Lehrerwoche. Stell jedem die zwei Fragen und gib ihm eine Farbe.
- Ein Arbeitsblatt zur Bruchrechnung auf drei Niveaus bringen.
- Eine Zeugnisbemerkung für ein Kind, das du als 'Kind A' beschreibst.
- Ein Foto einer handschriftlichen Klassenarbeit ohne Namen hochladen.
- Den Entwurf der DIA-Aufgabe für nächstes Frühjahr überarbeiten lassen.
- Die Tagesordnung der nächsten Gesamtkonferenz formulieren.
- Einen Elternbrief an Familie Nguyen über wiederholtes Zuspätkommen schreiben lassen.
- Die Notenliste der 8a als Tabelle hochladen, um den Schnitt zu berechnen.
- Ein Elterngespräch vorbereiten: 'Kind in Klasse 4, Konflikt in der Pause, Eltern reagieren abwehrend.'